Jonas Folger

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Biografie

Jonas Folger

wuchs im Umfeld von Motorrädern auf. Von klein auf kannte er den Geruch von Benzin und Motoröl aus der Werkstatt seiner Eltern, die beide große Rennsportfans sind. Bei einem Familienurlaub in Italien kam Jonas zum ersten Mal in den Genuss selber ein Motorrad zu fahren und wollte sich sogleich auch nicht mehr davon trennen. Umgehend wurde die 50ccm Malaguti Motocross-Maschine gekauft und mit nach Deutschland genommen. Zu diesem Zeitpunkt war er drei Jahre alt und in den darauffolgenden Jahren pflügte der Sprössling auf den umliegenden Wiesen seines Elternhauses herum.

Zu seinem sechsten Geburtstag tauschte Jonas seine Malaguti gegen eine ebenfalls 50 ccm KTM aus dem benachbarten österreichischen Mattighofen und sammelte damit seine ersten Rennerfahrungen. Nach zwei Jahren, einiger Teilnahmen bei lokalen Veranstaltungen bekamen die Eltern vom ADAC Südbayern eine Einladung für den Junior, an einer Talente-Sichtung teilzunehmen. Diese fand auf einer Kart-Rennstrecke in der Umgebung von München statt. Bei dieser Veranstaltung wurden vier Jugendliche für die Teilnahme an der Deutschen Mini-Bike Meisterschaft ausgewählt.

Jonas gehörte zu den Ausgewählten und im Alter von neun Jahren bewies er bei zehn Rennen in Deutschland gegen die besten Rennsport-Talente des Landes seine Begabung auf einem 50 ccm Mini-Bike. Er gewann jedes Rennen, was ihm automatisch die Möglichkeit einbrachte den Titel im darauffolgenden Jahr zu verteidigen und gleichzeitig auch in die 65 ccm Klasse aufzusteigen. Jonas dominierte beide Kategorien und trotz seiner Jugend verbreitete sich rasend schnell sein Ruf als neue Hoffnung des deutschen Motorradrennsports.

2005 beendete er seine Lehrjahre

mit einem dritten aufeinanderfolgenden Titelgewinn bei den 50 ccm in der Mini-Bike-Szene. Im gleichen Atemzug stellte Jonas auch die Meistertrophäe in der 65ccm Klasse zu seiner Sammlung. Sein Talent blieb nicht unbemerkt, als Jonas‘ Landsmann Adi Stadler (HRC) einen Anruf beim bekannten Talente-Scout Alberto Puig tätigte. Wenig später saß Jonas bereits auf einer 125 ccm Honda und absolvierte einen Test-Tag in Valencia. Dieser Tag reichte, um Puig zu überzeugen. Der Spanier nahm Jonas daraufhin unter seine Fittiche, indem Jonas in die MotoGP™ Academy eingegliedert wurde. Bei der MotoGP™ Academy handelte es sich um ein Jugendförderungsprogramm, das Talente aus allen Ländern der Welt, über die Spanische Meisterschaft in den Grand-Prix-Rennsport bringen soll.

Im Jahr 2006 bestritt Jonas mit einer Honda 125 seine erste komplette Saison in der CEV (Campeonato de Espana de Velocidad). Jonas kam in Jerez zweimal auf Rang zwei ins Ziel und wurde in Valencia Dritter, was am Ende Gesamtrang drei bedeutete. Jonas unterstrich damit, in dem hochkarätigen Starterfeld in Spanien, dass mit ihm ein neues Talent heranreift. Im Jahr darauf beendete er die CEV zwar nur auf Rang 15, dennoch begann man bereits 2008 ernsthaft ihn für die Zukunft auf Weltmeisterschaftsebene vorzubereiten.

Er fuhr aus dem einfachen Grund möglichst viele Grand-Prix-Rennstrecken kennenzulernen, Rennen in nationalen Meisterschaften in Spanien, Frankreich, Großbritannien und Italien. Im gleichen Jahr erlebte der damals 16-Jährige in Brünn sein Debüt in der Weltmeisterschaft. Darüber hinaus ging er mit jeweils einer Wildcard bei fünf weiteren Grand Prix in San Marino, wo er bei seinem erst zweiten Antreten in der Weltmeisterschaft als 15. seinen ersten WM-Punkt eroberte, in Indianapolis, Japan, Australien, Malaysia und Valencia an den Start. Beeindruckende Leistungen an jedem dieser Rennwochenenden waren der Garant für seine Rookie-Saison im Jahr 2009. Jonas fuhr im italienischen Team Ongetta eine Aprilia RSW und beendete die Saison als beachtlicher Zwölfter.

Für die Saison 2010

blieb er im gleichen Team erlebte aber mit einer Aprilia RSA zahlreiche Rückschläge. Leider führten eine Reihe technischer Defekte zum Ende der Zusammenarbeit mit dem Team Ongetta und er wechselte 2011 zu Ajo MotorSport. Nach einer positiven ersten Saisonhälfte mit seinem ersten Grand-Prix-Sieg in Silverstone litt der Youngster ab dem Sommer an gesundheitlichen Problemen, die schließlich zu einem Formeinbruch führten. Trotzdem schaffte Jonas noch den sechsten Gesamtrang in der Punktetabelle. Angesichts der Umstände war es Verwunderlich, dass seine Karriere beinahe zu einem Ende kam.

Jonas unterschrieb bei MZ einen Vertrag für 2012, wo man aber nach Problemen bei der Sponsorensuche noch vor den ersten offiziellen Wintertests den Rennbetrieb einstellen musste. Jonas wurde erst knapp vor dem WM-Auftakt beim italienischen Rennstall IodaRacing fündig, bei dem er jedoch eine noch problemreichere erste Saisonhälfte erlebte. Nach den bislang schwersten Zeiten seiner Karriere von Mitte 2011 bis zum Sommer des vergangenen Jahres gelang Jonas mit dem MAPFRE Aspar Team ein beeindruckendes Comeback an der Weltspitze. Der Vollblut-Racer wechselte während der Sommerpause zum Spanischen Team des vierfachen Ex-Weltmeisters Jorge Martinez „Aspar“ und schon beim ersten Einsatz für sein neues Team überraschte Jonas mit einem brillanten dritten Rang in Indianapolis. Nur eine Woche später gelang ihm die perfekte Überraschung, als er in Brünn zu einem sensationellen Start-/Ziel-Sieg raste.

Mit nur 19 Jahren

besitzt Jonas eine seltene Mischung aus Talent, Potenzial und Erfahrung. Jonas ist in den Wirren der vergangenen Jahre gewaltig gereift. Er ist mit hohen Erwartungen in die Saison 2013 gestartet, doch aufgrund seiner Körpergröße er stets einen klaren Nachteil gegenüber seinen Konkurrenten in der Moto3™ Klasse. Wegen einer Handgelenksverletzung im vergangenen Sommer und dann im September noch dazu ein Knöchelbruch nach einem schlimmen Highsider beim Rennen in Misano musste der Draufgänger weitere Rückschläge hinnehmen. Rang fünf in der Gesamtwertung ist dennoch sein bestes WM-Ergebnis soweit.

Quasi unmittelbar nach dem Saisonfinale in Valencia im vergangenen November begann sein neues Abenteuer mit dem spanischen Rennstall Argiñano & Gines Racing in der Moto2™. Die mittelschwere Grand-Prix-Klasse gilt weltweit als die wohl am meisten ausgeglichene Rennserie. Das Ausnahmetalent wird dank seiner Kämpfermoral auch bald in dieser Klasse seinen Weg machen. Im vergangenen Sommer hat Jonas seinen aktuellen Wohnsitz nach Katalonien verlegt, wo er in der Umgebung von Girona nahe der Costa Brava optimale Trainingsbedingungen vorfindet. Seiner Heimat im oberbayrischen Schwindegg, wo seine Familie lebt, bleibt er nach wie vor verbunden.

 

Daten

Geburtsdatum: 13. August 1993
Geburtsort: Mühldorf, Deutschland
Wohnort: Schwindegg, Deutschland
Erstes Rennen: 2003 Deutsche Mini-Bike Meisterschaft
Erster Grand Prix: 2008 Tschechien, 125 ccm
Erstes Grand Prix Podium: 2009 Frankreich, 125 ccm
Erster Grand Prix Sieg: 2011 England, 125 ccm
Letzter Grand Prix Sieg: 2016 Brünn, Moto2™
Erste Poleposition: 2012 Grand Prix Aragon, Moto3™
Erste schnellste Rennrunde: 2013 Katar
Grand Prix Siege: 5 (1 in 125 ccm, 1 in Moto3™, 3 in Moto2™)
Grand Prix Podiums: 23 (4 in 125 ccm, 8 in Moto3™ und 11 in Moto2™)
Grand Prix Pole Positions: 6 (4 in Moto3™ und 2 in Moto2™)
Schnellste Rennrunden bei Grand Prix: 6 (1 in Moto3™ und 5 in Moto2™)
Bester WM-Gesamtrang: 5. in Moto3™ (2013)
Grand Prix Starts insgesamt: 137 (52 in 125 ccm, 31 in Moto3™ und 54 in Moto2™)

 

Karriere
2003…. 50 ccm Deutsche Mini-Bike Meisterschaft, Meister
2004 50 ccm Deutsche Mini-Bike Meisterschaft, Meister 65 ccm Deutsche Mini-Bike Meisterschaft, Meister
2005 50 ccm Deutsche Mini-Bike Meisterschaft, Meister 65 ccm Deutsche Mini-Bike Meisterschaft, Meister
2006 125 ccm Spanische Meisterschaft, Dritter
2007 125 ccm Spanische Meisterschaft, Rang 15
2008 125 ccm Spanische Meisterschaft 125 ccm Weltmeisterschaft mit Wildcard-Starts in Tschechien, San Marino, Indianapolis, Japan, Malaysia und Valencia, 34. Gesamtrang
2009 125 ccm Weltmeisterschaft, Rang 12, „Rookie Of The Year“
2010 125 ccm Weltmeisterschaft, Rang 14
2011 125 ccm Weltmeisterschaft, Rang 6
2012 Moto3™ Weltmeisterschaft, Rang 9
2013 Moto3™ Weltmeisterschaft, Rang 5
2014 Moto2™ Weltmeisterschaft, Rang 15
2015 Moto2™ Weltmeisterschaft, Rang 6
2016 Moto2™ Weltmeisterschaft, Rang 7